„Schulbesuch im Land des Lächelns“

Julian Löffler - Dezember 2018

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Auf der Insel Koh Phangan (Thailand) ging es am letzten Aufenthaltstag nochmals gemeinsam mit meinen Eltern auf Erkundungstour. Dazu mieteten wir uns zwei Motorroller, die wohl beliebtesten und praktischsten Verkehrsmittel auf der Insel. Die Thailänder fahren auf einem Motorroller meist zu dritt oder gar zu viert - und das ohne Helm. Für Touristen ist das Tragen eines Helms allerdings Pflicht und in unseren Augen auch sinnvoll, zumal ungewohnter Linksverkehr wie in Großbritannien herrscht.

Mitten in der herrlich grünen, mit Palmen und anderen exotischen Bäumen gesäumten Landschaft eingebettet, tauchten plötzlich zwei leuchtend violett angestrichene Holzhäuser, die hinter einem Sportplatz standen, auf. Neugierig fuhren wir direkt darauf zu, um uns diese näher anzuschauen. Eine am offenen Fenster stehende Frau schien uns bereits schon bemerkt zu haben. Kaum hatten wir unsere Roller vor einem der Gebäude abgestellt, begrüßte sie uns mit einem breiten Lächeln. Sie rief uns von oben  „Sàwàddee Ká“ (= Hallo) zu und viele Kinder winkten uns fröhlich zu. Wir waren tatsächlich an einer Grundschule gelandet ;).

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Die Frau, die uns so nett begrüßt hatte, schien Lehrerin zu sein und bat uns herein, nachdem sie erfuhr, dass wir auch Lehrer bzw. einen sozialen Beruf haben. Der Unterrichtsraum der 4. Klasse, welchen sie uns zeigte,  befand sich im 1. Stock des hölzernen Schulgebäudes. Das offene  Klassenzimmer, in dem sich nur eine Tafel, eine Pinnwand sowie ein Fernseher befand,war wie die anderen fünf Zimmer hell und freundlich gestaltet, d.h es gab weder Türen noch Fenster. 

Tageslichtprojektoren, Laptop mit Beamer oder gar Whiteboards, wie sie in Deutschland bis auf letzteres zur Grundausstattung gehören, waren nicht vorhanden. 

Alle Kinder trugen violettfarbene Schulkleidung und saßen mit Heft und Mäppchen ruhig an ihren Einzeltischen. Als wir dann mit der thailändischen Lehrerin das Klassenzimmer betraten, standen alle Schüler auf und begrüßten uns fröhlich. Kurz nachdem sie uns der Klasse vorgestellt hatte, wendete sich die Lehrerin ab und verließ das Klassenzimmer. Zunächst gingen wir davon aus, dass sie bestimmt gleich mit ihren Materialien zurückkehren würde. Es wäre ja interessant gewesen zu erfahren wie thailändische Lehrkräfte arbeiten und vor allen Dingen wie die thailändischen Kinder im Vergleich zu denen in Deutschland lernen.Dies entpuppte sich jedoch als Irrtum. Sie ging wohl davon aus, dass wir nun die Klasse übernehmen wollten - eine vertrauenswürdige Aktion, die in Deutschland kaum vorstellbar wäre. Das taten wir dann auch kurz entschlossen mit freudigem Erwarten.

Fünfzehn Paar neugierige Augen der Schülerinnen und Schüler waren nun vollends auf uns gerichtet und musterten uns von Kopf bis Fuß. Wir waren zudem viel größer gewachsen als Thailänder schlechthin. So etwas hatten sie noch nie erlebt, das war der „Knaller“. 

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Zuerst brachten wir den Kindern unsere Vornamen bei, die für sie natürlich sehr lustig klangen. Nachdem wir ein paar einfache Fragen auf Englisch beantwortet hatten, entschlossen wir den Kids einfache Wörter auf Deutsch wie z.B. Hallo oder Guten Morgen… beizubringen. Hierzu erstellten wir eine Tabelle mit den Spalten Englisch, Deutsch. Es bedurfte erstaunlicherweise nur einer einmaligen Aufforderung und die Kinder übernahmen die Tabelle in ihr Heft. 

Auffällig hierbei war, dass die Kids schlecht geschriebene Wörter wieder ausradierten und diese erneut bestmöglich aufschrieben.

Wir gingen zu den einzelnen Tischen um zu sehen und zu kontrollieren, ob alles fehlerfrei übernommen wurde. Für jede fertig gestellte Tabelle vergaben wir einen Smiley. Diese Art der Rückmeldung kannten die Kinder offensichtlich nicht, da jeder seinen Smiley voller Stolz dem Freund oder der Freundin zeigen wollte. Es war bewegend zu sehen, welch Lächeln solch eine kleine Anerkennung im Heft bei den Kindern hervorrufen kann. 

Nach knapp 2-3 Stunden kam die Lehrerin endlich zurück, machte ein paar Bilder von uns mit den Kids und wollte uns gleich in das nächste Klassenzimmer geleiten. Dies mussten wir jedoch aufgrund der vorangeschrittenen Zeit verneinen, denn wir mussten unsere Roller wieder pünktlich zurückbringen. 

Die Lehrerin zeigte sich verständnisvoll, fragte dann aber kurzerhand, ob wir morgen auch wieder kommen würden. Gerne hätten wir dies gemacht, doch morgen war unser Abreisetag und so hieß es Abschied nehmen von dieser schönen Insel in Thailand. Wir, die thailändische Lehrerin und vor allem die Schüler hatten wohl ein spannendes, ungewöhnliches und immer in guter Erinnerung bleibendes Erlebnis. Beim Abschied versicherte ich Ihr aber, Sie und die Schule bei einem erneuten Aufenthalt in Koh Phangan wieder zu besuchen. Wir starteten die Roller und überall standen lächelnde Kinder und Lehrer, die uns bei der Abfahrt winkten.

La gòn kráb (Auf Wiedersehen)

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